Was tun bei Flachtrudeln?


Ein nicht so guter Exit, ein Rempler vom Nebenmann, plötzlich drückt der Wind von oben auf den Flügel und schon ist es passiert: Ich befinde mich im unkontrollierten Trudeln, und wenn ich nicht bald etwas dagegen tue, wird angesichts der Drehbewegung meine Waschmaschine vor Neid erblassen. Dass Problem bei Unstabilitäten mit Wingsuits sind die großen Flügelflächen, die sich im ungünstigen Fall wie Rotorblätter in den Wind stellen. Dadurch fängt das Trudeln nicht langsam an, sondern es kann sein, dass man sich von jetzt auf nachher in heftigsten Drehungen wiederfindet, bevor man so richtig merkt, was eigentlich los ist. So etwas passiert vor allem nach unstabilen Exits und (sowohl absichtlichen als auch ungewollten) Saltos und sonstigen Aerials. Wer schon mal im Flachtrudeln war, wird bestätigen, dass man da so ohne weiteres nicht mehr rauskommt. Plan A – “arch and relax” – ist dann leider oft keine Lösung mehr.

Wenn wir jetzt also wissen, dass die große Flügelfläche das Problem ist, ist die beste Lösung, diese Fläche so klein wie möglich zu bekommen. Am besten geht das meiner Meinung nach, indem man sich zu einer “Kugel” zusammenrollt.

Diese Haltung könnte den Freeflyern unter euch vielleicht schon als Notmaßnahme bekannt sein. Bei großen Kombis kann man zusätzlich den Beinflügel mit den Händen greifen und zusammenraffen. Dadurch hört das Drehen auf (es dauert einen Moment, funktioniert aber meiner Erfahrung nach idiotensicher), und man kommt in eine Art Sitzposition. Daraus kann man sich recht einfach wieder auf den Bauch drehen und den Flug ganz normal fortsetzen. Diese Maßnahme setzt eines voraus, nämlich genug Höhe! Zu einer Kugel gerollt, mit der glatten Kombi, können Geschwindigkeiten erreicht werden, die jenseits der 300 km/h liegen. Der Höhenverlust ist schon beachtlich, vor allem, wenn man sich schon an langsames Sinken und ausgedehnte Freifallzeiten gewöhnt hat. Alternativ kann auch das Abtrennen der Flügel hilfreich sein. Das Trennsystem ist entgegen anders lautender Gerüchte von den Herstellern für genau diesen Fall vorgesehen. Wer kein Trennsystem für den Beinflügel hat, muss diesen evtl. zusätzlich mit Hilfe der Beinhaltung “zusammenfalten”. Danach ist die Flugphase zwar beendet, aber der Sprung kann in normaler Boxposition bis auf Pullhöhe fortgesetzt werden. Zu beachten gilt hier unbedingt das Risiko, aus Versehen nur eine Seite abzutrennen, was die Situation nicht wirklich verbessern würde. Wenn alles nichts hilft, lieber unstabil in ausreichender Höhe ziehen, als stabil auf dem Boden auftreffen! Es mag für den ein oder anderen von euch lange her sein (oder schon vergessen?), aber die alten Weisheiten aus Schülerzeiten gelten auch für uns: Ziehen geht vor Ziehen in richtiger Höhe geht vor Ziehen in richtiger Höhe in stabiler Lage. Um diese gefährlichen Situationen zu vermeiden, sollte man natürlich alle “kritischen” Manöver wie erste Salto-Versuche in eher großer Höhe ausprobieren. Der Exit ist ja zum Glück sowieso immer ganz oben (naja, fast immer… ;-) ). Es schadet auch nichts, die “Notfallposition” mal während eines Soloflugs zu üben, um im Ernstfall gut vorbereitet zu sein.