Für Fallschirmspringer

Lese hier, welche Voraussetzungen zum Wingsuitfliegen es gibt und wie die Einweisung abläuft.
Sandros Wingsuit Einweisung als pdf

Technische Voraussetzungen

Zum Wingsuitfliegen ist nicht jedes Gurtzeug gleich gut geeignet. Ein paar wichtige Punkte gilt es zu beachten:

Als Öffnungssystem kommt nur ein BOC-Throwout-Hilfsschirm in Frage. Die in früheren Zeiten verbreiteten Hilfsschirmtaschen am Beingurt funktionieren natürlich nicht, wenn sich die Beingurte innerhalb der Wingsuit befinden. Auch Pullout-Systeme sind nicht zu empfehlen. Die zu lange Verbindungsleine zwischen Griffkissen und Hilfsschirm macht es in der Kombination mit der eingeschränkten Bewegungsfreiheit durch die Armflügel unmöglich, den Hilfsschirm aus dem Lee heraus zu werfen.

Hilfschirme mit Bungee-System funktionieren erst ab einer entsprechend großen Geschwindigkeit (das ist ihr Job, dafür sind sie schließlich gebaut). Die relativ geringe Geschwindigkeit beim Wingsuitfliegen kann aber zu wenig sein, um einen Bungee-Hilfsschirm zu entfalten. Eine “normale” Killline funktioniert dagegen tadellos.

Für die geringe Fluggeschwindigkeit und das große Lee hinter den Flügeln ist es ratsam, einen eher großen Hilfsschirm und eine lange Bridle zu benutzen. Das wird so richtig interessant, wenn man anfängt, Kombis mit sehr großen Flügeln zu springen. Für den Anfang sind die Standard-Komponenten aller gängigen Hersteller absolut ausreichend.

Ein altmodisches Plastikröllchen ist als Griff deutlich besser geeignet als ein Hacky o.Ä., Letzteres hat schon öfters zu wildesten Fehlöffnungen geführt, bei denen sich die Bridle mit dem Griff verheddert und so den Hilfsschirm kollabiert und funktionsunfähig macht (ich spreche aus Erfahrung!). Dieses Phänomen kann natürlich auch bei jedem anderen Sprung auftreten, aber das große Lee der Wingsuit ist hier ein großer, zusätzlicher Risikofaktor.

Wer in seinem Gurtzeug ein “Freefly-Beingurt-zusammenhalte-Gummi” eingebaut hat, muss es leider ausbauen, um das Gurtzeug in die Wingsuit zu bekommen. Wenn ihr öfters zwischen den beiden Disziplinen wechseln wollt, empfiehlt sich entweder ein Clip-System oder ein paar Meter Gummiband auf Vorrat.

Ein Höhenmesser, der auf dem Handrücken platziert ist, ist bequemer als ein Armband am Handgelenk (wo sich ja eigentlich das Flügelende befinden soll). Die früher verbreitete Meinung, ein Brusthöhenmesser würde durch die ungünstige Position falsche Werte anzeigen, hat sich in der Praxis glücklicherweise nicht bewahrheitet. Ein am Gurtzeug angebrachter Höhenmesser ist speziell bei größeren Kombis sehr praktisch, da man damit zur Höhenkontrolle nicht den Flügel loslassen muss.

Ein AAD ist natürlich wie immer wärmstens empfohlen, auch wenn es durchaus möglich ist, bei guter Performance die Auslösegeschwindigkeit zu unterschreiten. Man muss sich aber vor Augen halten, dass im Falle einer Kollision mit anschließender Bewusstlosigkeit wahrscheinlich nicht gerade in der besten Haltung weitergeflogen wird, und somit die elektronische Überlebenshilfe wieder ungehindert ihren Dienst tun kann.

Ähnliches gilt für akustische Höhenwarner. Piepsen tun sie glücklicherweise alle, manche Geräte mit Logbook-Funktion kann man in einen speziellen Langsam-Modus umschalten, damit sie den Sprung richtig aufzeichnen.

Zum Thema mehr oder weniger geeignete Schirme haben sich bestimmt schon viele (Horror-)Geschichten über Verdrehungen rumgesprochen. Fakt dazu ist: Verdrehungen kommen bei Wingsuit-Sprüngen häufiger vor als normal. Das passiert, weil der POD schräg nach hinten aus dem Container gezogen wird, dort öfters an den Ecken hängen bleibt und somit einen Drall bekommt. Das Problem sind also nicht die Schirme, sondern die Gurtzeuge! Erschwerend kommt hinzu, dass das Ausdrehen schwieriger ist als normal, da der Beinflügel ein “dynamisches Schwungholen” mit den Beinen begrenzt. Insgesamt ist es also wahrscheinlicher, Verdrehungen zu bekommen, und auch wahrscheinlicher, wegen einer Verdrehung abtrennen zu müssen.

Jetzt kann sich jeder selbst überlegen, ob er dieses Risiko ausgerechnet mit der kleinsten High-Performance-Kappe der Welt eingehen will. Die Empfehlung ist nach wie vor, je gutmütiger und rechteckiger ein Schirm ist, desto besser. Hier muss jeder selbst wissen, wie weit er gehen will und mit welchem Schirm er sich auskennt und wohlfühlt.

Menschliche Voraussetzungen

Das Fliegen mit Wingsuits setzt eine gewisse springerische Erfahrung voraus. Es ist immer schwierig, so etwas in Zahlen auszudrücken und für alle gleichermaßen fair zu gestalten. Die Hersteller haben genaue Sprungzahlvorgaben, die man erfüllen muss, um mit ihren Wingsuits fliegen zu dürfen. Das waren anfangs mindestens 500 Sprünge. Inzwischen kann man mit deutlich weniger Sprungerfahrung in diesen Sport einsteigen, nur 200 Sprünge Minimum sind nötig, wenn man von einem authorisierten Instructor eingewiesen und begleitet wird (das ist ja ohnehin eine sehr sinnvolle Sache).

Viel wichtiger als die Tatsache, mehr als 200 Fallschirmsprünge überlebt zu haben, sind natürlich die dabei erworbenen Fähigkeiten. Sich unverkrampft im Freifall bewegen zu können, ist genauso Grundvoraussetzung wie eine gehörige Portion Sicherheitsbewusstsein. Die Fähigkeit, sich auf ganz neue Dinge einzulassen und Lernbereitschaft garantieren für spürbare Erfolge. Letztzendlich hilft es natürlich auch, bereits gut tracken zu können.

First Flight Course – es geht los!

So, wenn jetzt die Technik für gut befunden, die Sprungerfahrung vorhanden und die Neugier immer noch groß genug ist, kann es ja eigentlich losgehen.

Für die Einweisung vor dem ersten Sprung/Flug sollte man sich einem authorisierten Wingsuit-Instructor anvertrauen. Er oder sie weiß, was wichtig ist, achtet auf Details, die ein Durchschnittsspringer vielleicht übersieht und ist erfahren in der Ausbildung anderer Menschen.

Als erstes wird eine passende Kombi ausgesucht, anprobiert und ins Gurtzeug eingebaut. Im folgenden Theorieteil werden alle wichtigen Phasen des Sprunges besprochen, vor allem die Unterschiede zu “normalen” Fallschirmsprüngen. Exit, Freifallhaltung und vor allem die anfangs ungewohnte Haltung beim Ziehen werden geübt. Mögliche Probleme und dann nötige Reaktionen werden trainiert.

Wenn am Boden alles funktioniert, folgt die Praxis in der Luft. Der erste Sprung wird idealerweise zusammen mit dem Instructor gemacht. Er kann schon in der Luft durch Handzeichen ähnlich dem AFF die Haltung seines “Flugschülers” korrigieren, und bei der Navigation helfen, wenn durch Fliegen in die falsche Richtung eine Außenlandung droht. Vor allem wird durch das direkte Feedback beim Debriefing vermieden, dass sich Fehler einschleichen, die später nur langwierig wieder abzustellen sind.

Nebenwirkung der ersten Wingsuitsprünge ist meist ein nicht therapierbares Dauergrinsen ;-)

Im Raum Süddeutschland stehen Sandro und ich als Instructor zur Verfügung, mailt mir für Termine. Gerne organisiere ich auch Wingsuit-Veranstaltungen aller Art für interessierte Sprungplätze.