Erfahrung als Springer sammeln

Voraussetzung zum Wingsuitfliegen sind 200 Fallschirmsprünge. Jetzt heißt es also, dein neues Hobby genießen und fleißig Sprünge sammeln. In ein bis zwei Jahren sollte die geforderte Mindestsprungzahl erreichbar sein. Dieser Teil des Weges dauert zwar eine Weile, ist aber alles andere als langweilig. Einige unvergessliche Erlebnisse sind dir sicher. Als eigenverantwortlicher, lizensierter Springer kannst du in verschiedenen Disziplinen deine neu erworbenen Fähigkeiten verfeinern. Ich stelle dir hier einige davon vor. Du wirst schnell merken, dass du in vielen Disziplinen Dinge lernen kannst, die später die Grundlage für das Wingsuitfliegen bilden.

RW / Formationsspringen

RW bedeutet “relative work” und bezeichnet das Fliegen relativ zueinander in Freifall-Formationen. Grundlagen des RW sind bereits Teil der Ausbildung. Jetzt geht es darum, ein Programm aus verschiedenen Figuren möglichst oft und präzise zu wiederholen. Dabei werden je nach gewünscher Formation Griffe an Armen und Beinen der Mitspringer genommen. Du lernst präzise Bewegungen auf engem Raum und das schnelle und sichere Erreichen der Griffe. Außerdem vertiefst du immer mehr die Fähigkeiten zum Springen in größeren Gruppen: während es eben im Freifall noch gewünscht war, möglichst nah am Geschehen zu bleiben, brauchst du für die Öffnung deines Schirms einen möglichst großen, sicheren Abstand zu deinen Mitspringern.

Freefly

Beim Freefly verlässt du die gewohnte Fluglage auf dem Bauch und fliegst z.B. im Sitzen, Stehen oder kopfüber. Teilweise sind diese Positionen gar nicht so einfach zu halten, du wirst einiges an Ausdauer brauchen, um sie zu lernen. Der Lohn für die Mühen ist ein gutes Gefühl für deine Körperhaltung im Freifall. Blitzschnell leiten deine Nerven die Information über die Lage im Raum zu deinem Gehirn weiter, vielleicht hat sich gerade die Luftströmung etwas verändert? Mit minimalen, von außen unsichtbaren Muskelbewegungen gleichst du das aus. Eine grandiose Leistung deines Körpers.
Freefly kannst du sowohl alleine als auch in Gruppen betreiben. Es lohnt sich, in einen guten Coach zu investieren, der dir die Grundlagen gut erkären kann und Fehler frühzeitig erkennt und korrigiert.
Foto: Take Off Fehrbellin

Tracking

Mit Tracking bezeichnet man eine Fluglage, mit der man eine hohe Horizontalgeschwindigkeit erreichen kann. Diese Position wird benutzt, um z.B. nach Formationssprüngen Abstand zu deinen Mitspringern zu gewinnen für eine sichere Schirmöffnung. Du kannst aber auch einen kompletten Sprung dazu verwenden, um ausschließlich zu Tracken. Dabei gibt es einige Dinge zu beachten, damit du nach der langen Flugstrecke trotzdem noch am Sprungplatz landest und du unterwegs niemand anderen gefährdest. Die nötige Flugplanung für Tracking- und Wingsuit-Sprünge ist sehr ähnlich. Neben dem Erstellen und Einhalten des Flugplans lernst du beim Tracken auch, deine Körperhaltung immer besser für maximalen Horizontalflug zu optimieren. Mit etwas Erfahrung beim Tracken und weiteren “normalen” Sprüngen kannst du auch eine spezielle Tracking Suit benutzen. Das ist ein überdimensional weiter Anzug, der sich im Freifall mit Luft füllt und durch die große Fläche deutlich weitere Strecken mit langsamer Sinkgeschwindigkeit ermöglicht.

Foto: Michael Nass

Canopy Control

Das heißt: Verbessern deiner Fähigkeiten bei Schirmfahrt und Landung. Hm, ist das wirklich nötig, passiert Wingsuitfliegen nicht im Freifall?
Das ist natürlich richtig, trotzdem endet jeder Freifall irgendwann (hoffentlich) mit einer Schirmöffnung. Gute Fähigkeiten im Umgang mit deinem Schirm helfen dir also bei jedem einzelnen Sprung, du kannst schneller und besser auf unvorhergesehene Situationen reagieren und verringerst dein Verletzungsrisiko. Tatsächlich passieren heutzutage die meisten Unfälle an vollständig geöffneten, funktionsfähigen Schirmen. Die meisten davon wären vermeidbar.

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