Ist es denn wirklich so schwierig, mit ein bisschen mehr Stoff bekleidet ordentlich aus einem Flugzeug zu springen?

Die gute Nachricht: nein, es ist nicht wirklich schwieriger. Allerdings verstärkt eine größere Angriffsfläche dramatisch die Folgen eines suboptimalen Exits. Deswegen ist es umso wichtiger, einen lehrbuchmäßigen, stabilen Exit zu beherrschen. Gerade habe ich ne Weile über die richtige physikalische Formulierung nachgedacht: die Querachse des Körpers muss senkrecht zur Richtung des relativen Windes bleiben. Alles klar? test weiterlesen →

Diese Frage wird früher oder später wohl jedem Wingsuit-Piloten von seinen nichtspringenden Freunden und Verwandten gestellt. Wohlbekannt sind uns auch Kommentare wie “aber das sind doch diese Verrückten”, “ich hab gelesen, letzte Woche ist dabei erst wieder jemand verunglückt” oder dergleichen.

Doch wie sieht die Realität aus? Ist Wingsuitfliegen tatsächlich gefährlich, und wenn ja, in welchem Maße? Wenn man genauer hinschaut, wird schnell klar, wie schwierig es ist, das Risiko in Zahlen auszudrücken. Beim Würfeln kann ich mit gutem Gewissen behaupten, dass ich mit einer Wahrscheinlichkeit von 16,7% die eins treffen werde. Aber wie will ich das Ergebnis eines Fallschirmsprungs vorhersagen, der von so verschiedenen Faktoren abhängig ist wie Ausbildung, Erfahrungsstand, Sprungort, Wahl der Ausrüstung, körperliche und geistige Verfassung … ?

Wingsuitfliegen ist sehr vielseitig

… manchmal in einem Maße, dass man fast von verschiedenen Sportarten sprechen kann. Eine Statistik, die sowohl den Wochenend-Skydiver als auch die Elite des Proximity-Fliegens umfasst, weil alle zufällig eine Wingsuit anhaben, würde beiden nicht gerecht werden. Der Versuch, eine aussagekräftige Statistik zu erstellen, scheitert schon im Ansatz. Alle, die auf der Suche nach Zahlen sind, muss ich an dieser Stelle also enttäuschen. Wer sich weitere Gedanken zu Gefahrenquellen und Risikomanagement machen möchte, darf gerne weiterlesen.

Ein Wingsuitflug ist immer auch ein Fallschirmsprung

… und eine Tätigkeit, bei der man sich mit derart großer Geschwindigkeit Richtung Erde bewegt, ist nun eben risikoreicher als Schachspielen in einem geschlossenen Gebäude (ich finde Schachspielen durchaus bemerkenswert).

Mehr Komplexität – mehr Risiko

Eine Wingsuit macht den Sprung komplexer. Vor allem die Horizontalbewegung, die bei einem “normalen” Sprung nicht in diesem Maße vorkommt, bedarf besonderer Beachtung. Etwas schwieriger werden auch Absprung und Schirmöffnung.
Beim Proximity-Fliegen stellt natürlich die Nähe zum Objekt ein Risiko dar, das sofort auffällt. Wobei auch das von sehr vielen Faktoren abhängt, die ich mangels eigener Erfahrung nicht abschließend beurteilen möchte. Als kleiner Vorgeschmack: Ist es der erste oder der 100. Sprung an dieser Stelle? Gibt es einen Plan B? Wieviel % seiner maximalen Leistungsfähigkeit muss der Pilot aufbringen, um die geplante Strecke zu fliegen?

Vorteile sind nicht ausgeschlossen

In den meisten Ländern werden mehrere hundert Sprünge Erfahrung vorausgesetzt, um mit dem Wingsuitfliegen beginnen zu können. Also fallen aus der Wingsuit-Statistik einige Unfälle raus, die am Anfang der Springerkarriere durch typische Anfängerfehler passieren.
Die Hauptursache für schwere und tödliche Unfalle beim Fallschirmspringen bleiben Landefehler, meistens mit kleinen, sportlichen Schirmen. Der durchschnittliche Wingsuit-Pilot ist hingegen oft mit eher gutmütigen, etwas größeren Schirmen anzutreffen.
Beim Base-Springen kann eine Wingsuit oder eine Tracking Suit benutzt werden, um einen besonders großen Abstand zum Objekt zu erreichen und so in sicherer Umgebung zu öffnen.

Risikomanagement ist möglich

Minimales Risiko

Stellen wir uns mal einen Springer vor mit langjähriger Erfahrung, gut ausgebildet, er springt eine Wingsuit mit kleiner Flügelfläche und dazu einen gutmütigen, eher großen Schirm an seinem Heimatflugplatz mit riesengroßer Landefläche. Gut ausgeruht verlässt er das Flugzeug alleine durch die Heckrampe bei angenehmen Temperaturen. Natürlich bleibt auch hier ein Restrisiko, wobei es mich nicht überraschen würde, wenn es sogar kleiner ist als bei einem Durchschnitts-Fallschirmsprung ohne Wingsuit.

Maximales Risiko

Werfen wir hingegen mal einen Blick auf seinen 19-jährigen Kumpel, frisch im Sport. Er hat sich gerade bei ebay eine Wingsuit gekauft, zwar etwas größere Flügel, dafür aber genau seine Farben, da konnte er nicht nein sagen. Da er mit seinen 100 Sprüngen an seinem Heimatsprungplatz noch nicht Wingsuitfliegen darf, fährt er direkt in die Berge und läuft dort einfach den anderen Springern hinterher. Oben angekommen, beschleicht ihn das gleiche ungute Gefühl, dass du vermutlich gerade beim Lesen bekommst, und er überlegt es sich anders … vielleicht ist Wingsuitfliegen nämlich noch gefährlich. weiterlesen →

Fallschirmsprung

Jeder Sprung, der mit einem gepackten bzw. nicht vollständig geöffneten Schirm beginnt, eine mehr oder weniger lange Freifallphase beinhaltet und mit einer Landung am geöffneten Schirm endet.

Skydive

Ein Fallschirmsprung aus einem Luftfahrzeug, in der Regel einem Flugzeug, seltener einem Helikopter, Heißluftballon oder Ähnlichem. Leider gibt es im Deutschen kein adäquates Wort dafür, dass zwischen einem Fallschirmsprung im Allgemeinen und einem Fallschirmsprung im Sinne von Nicht-Base-Sprung unterscheidet.

Base-Sprung

Ein Fallschirmsprung von einem festen Objekt. Das Akronym B.A.S.E. steht dabei für Building (Gebäude), Antenna (Antennen, Sendemasten), Span (Brücken) und Earth (Felsen).

Wingsuit-Flug

Ein Fallschirmsprung (meistens ein Skydive, seltener ein Base-Sprung), bei dem der Springer zusätzlich mit einer Wingsuit bekleidet ist.

Proximity-Flug

Konturenflug in unmittelbarer Nähe zum Gelände. Ein Proximity-Flug kann ein Base-Sprung sein, aber genauso gut auch ein Skydive, wenn z.B. aus einem Helikopter gestartet wird. Wir kennen natürlich die Youtube-Quote, die den Eindruck vermittelt, Wingsuitfliegen wäre quasi nur im Gelände möglich. Die Realität ist deutlich banaler: die allermeisten Wingsuitflüge finden in großer Entfernung von irgendwelchen festen Objekten statt. weiterlesen →