Die ersten Tage sind dem Fliegen von immer größer werdenden Flocks gewidmet. Springerlegende Loïc Jean-Albert leistet hier grandiose Arbeit als Loadorganiser. Dank seiner Briefings und Tipps verbessert sich jeder einzelne Teilnehmer in kurzer Zeit spürbar. Am ersten Tag beginnen wir mit einer einfachen, noch sehr wackeligen Linie aus ca. 10 Springern, am Abend des nächsten Tages haben wir bereits erfolgreich Diamanten, teilweise 3-D, aus mehr als 20 Springern geflogen. Als die Formationen zu groß für eine der Let 410 werden, fliegen wir den einen oder anderen Load mit zwei Lets und bis zu 35 Springern. Kaum jemand ist vorher schon so große Wingsuit Formationen geflogen. Deshalb hört man unter den geöffneten Kappen, wie sich die Atmosphäre der Begeisterung durch Jubelschreie entlädt. Trotz der ungewohnt großen Gruppen laufen alle Sprünge sehr sicher ab. Der Extra-Stoff der Wingsuit-Flügel hilft natürlich gewaltig beim Separieren, und so sind die Schirmöffnungen oft über den gesamten Sprungplatz verteilt.

Für Freitag und Samstag ist der Wettkampf in verschiedenen Disziplinen geplant. Es geht um Edelmetall für die längste zurückgelegte Strecke, die längste Freifallzeit und einen „Freestyle“-Wettbewerb. Jetzt kommt auch endlich die MI-8 zum Einsatz. Der große Helikopter ist eine willkommene Alternative zu den beiden Lets, die von ihren Turbinen nicht nur angetrieben, sondern auch auf Saunaatmosphäre aufgeheizt werden.
Das anfänglich perfekte Sommerwetter wird von Tag zu Tag immer gewittriger. Lange Wetterholds, Rejumps wegen technischer Schwierigkeiten mit dem GPS, das die zurückgelegte Strecke messen soll, und das ausschließlich russisch sprechende Manifest zerren an den Nerven. Der Wettkampf zieht sich in die Länge, aber schließlich sind am Samstag Abend doch noch alle Durchgänge geschafft. Am Ende geht Gold in allen Disziplinen an Loïc aus Frankreich, Sandro Böhme holt 2x Bronze für Deutschland (weiteste Strecke und längste Zeit in der Kategorie der Leichtgewichtigen).
Fazit: eine überaus gelungene Veranstaltung, die nach Wiederholung verlangt. Wingsuitpiloten brauchen sich nicht länger in der Exoten-Ecke der Springerei zu verstecken. Dieses Event hat nicht nur ungeheuer viel Spaß gemacht, sondern auch ein gewaltiges Potenzial gezeigt. In naher Zukunft werden wir sicherlich mit noch wesentlich größeren Flocks den Himmel verdunkeln! weiterlesen →

Nach unzähligen emails, Telefongesprächen und vielen Absagen ging dann doch alles ganz plötzlich: 2 freie Plätze im Ballon noch heute abend. Gerade noch genug Zeit um bequem zu packen, dann geht’s auch schon los. Dort angekommen, treffen wir einen gut gelaunten Ballonfahrer und eine ganze Meute interessierte Passagiere und Zuschauer.

Während der Ballon sich langsam mit heißer Luft füllt, mache ich bestimmt zwanzig Scheingriffe. Nervös? Naja, wahrscheinlich schon. Das wird mein zweiter Ballonsprung und mein erster mit Wingsuit. Meine Taktik für den Exit ist “einfach nach Gefühl probieren und mal sehen, was dabei rauskommt”. Viel Zeit zum Nachdenken war wegen der spontanen Aktion sowieso nicht. Also rein in den Korb und los geht’s. Die Absetzhöhe ist beachtlich schnell erreicht, ich bin der erste Springer. Das Hochklettern auf den Rand ist mit den ganzen Flügeln gar nicht so einfach, aber nach ein paar Verrenkungen stehe ich schließlich doch auf dem Rand. Ein Moment der Konzentrazion, Beine zusammen, Arme raus, Horizont anschauen, ein “Bis gleich” an die Passagiere und los.

Der Exit ist einfacher als gedacht, ich komme ganz gut weg und habe ab der ersten Sekunde ein gutes Gefühl dabei. Das Rauschen wird lauter, ich fange an zu fliegen und merke auch gleich, was ich vergessen habe: Die Brille befindet sich immer noch oben auf meinem Helm… Ist nicht so sehr tragisch, fliege langsam genug und kann noch gut sehen. Mache eine Kurve, um nicht allzuweit von der Landezone weg zu fliegen. Die Öffnung ist wunderbar im Heading. Wow, das war klasse. Nach einer halben Ewigkeit Schirmfahrt (ich nehme mir dabei vor, nie wieder so hoch zu ziehen…) lande ich problemlos auf dem geplanten Feld.

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